
Am späten Nachmittag des 11. Aprils 2001 erreichte eine Schockfront von der Sonne die
Erde. Das Ergebnis waren wunderschöne Polarlichter, die in ganz Deutschland zu sehen
waren, sofern das Wetter mitgespielt hat (was bei vielen leider nicht der Fall war).
Ich selbst hatte das Glück, zwischen den Wolkenlücken und klaren Himmel hindurch einige schöne
Aufnahmen zu gewinnen. Leider hat das Fotostudio nicht alle entwickelt, der Rest folgt daher
später.
Bevor es aber zu den Bildern geht, lest Euch den kursiven Text durch - so habe ich das
Polarlicht erlebt...
Gegen 21.00 Uhr brach ich von Osnabrück aus auf und hatte mir außerhalb der
Stadt ein ruhiges Plätzchen gesucht. Der Himmel wurde rasch dunkler und die
ersten Sterne zeigten sich. Kurz vor 22 Uhr passierte es aber dann:
Innerhalb von nur zwei Minuten zog der Himmel zu, Osnabrück war wieder
dicht. Natürlich kamen kurz darauf die ersten SMS auf das Handy ein mit
verschiedenen Polarlicht-Sichtungen :-(
Da die Wolken nicht besser wurden, beschloß ich gegen 23.30 Uhr, in Richtung Norden zu
fahren. Rauf auf die A1 Richtung Norden. Rund 50 km weiter bei Holdorf dann
wieder runter, ein ruhiges Plätzchen gesucht. Am Himmel noch Wolken. Dann
tauchten von Norden her immer größere Lücken auf, von PL aber noch nix zu
sehen.
Dafür aber umso mehr LKWs, die mit ihren starken Fernlichtscheinwerfern die
Gegend erhellten. Also rein in den Wagen und noch ein paar km
weitergefahren. Schließlich hatte ich eine dunkle Straße gefunden. Ich bog
in einen Feldweg ein, fuhr noch rund 300m weiter und hielt den Wagen. Der
Wagen zeigte fast genau Richtung Süden, also musste ich wenden. Also in die
Einfahrt eines Ackers eingebogen, den Rückwärtsgang eingelegt und leicht
Gas gegeben - die Räder drehten durch !!!!!!!!
NEIN, jetzt bitte bloß dass nicht! der Himmel war mittlerweile wolkenlos.
Alles vor und zurück half nix, der Wagen steckte fest. Eine alte Decke habe
ich noch versucht unter die Räder zu legen - kein Erfolg.
Die Uhr zeigte schon etwa 0.30 Uhr, seit rund 30 Minuten war ich also 25
Jahre alt geworden (Geburtstag) und steckte im Acker fest - na super. Und das in einer
Gegend, die ich überhaupt nicht kenne und der Begriff "Einsamkeit" eine
neue Definition bekommt.
Draußen war es dunkel - viel zu dunkel, als dass ich irgendwie mich trauen
sollte, Hilfe zu suchen. Immerhin ging der Mond auf - normalerweise des
Polarlichtjägers größter Feind - und erleuchtete die Landschaft etwas.
Es half alles nix, den ADAC angerufen und die Situation geschildert. Da es
sich um einen Feldweg und keine ausgebaute Straße im Sinne der
Straßenverkehrsordnung handelt, muss ich die Kosten selbst übernehmen sagte
man mir am Telefon. Da ich natürlich nicht so lange warten wollte, bis der
Feldweg irgendwann mal ausgebaut wird ;-) stimmte ich zu und versuchte aus freien Kopf
heraus den Weg zu beschreiben.
Nach einer halben Stunde kam dann auch jemand und holte den Wagen aus dem
Acker raus. Die ersten Worte waren in der Art "Was macht ein Mensch um diese Zeit an diesem
Ort mit dem Wagen auf dem Acker...". Meine Erklärungen (Polarlicht, etc) hat er scheinbar
nicht so ganz nachvollziehen können, zumal am Himmel (visuell) auch nix zu sehen war.
Mittlerweile war es schon kurz vor zwei Uhr. Der ganze Schlamassel hatte mich immerhin
170,- DM gekostet - dafür war ich wieder frei und der Wagen eingesaut :-(
Enttäuscht fuhr ich gerade auf die Autobahn zurück Richtugn Osnabrück, als
ich im Norden kurz nach 2 Uhr etwas Rotes bemerkte. Schnell den nächsten Parkplatz
angefahren und tatsächlich: Das muss Polarlicht sein!
Ein merkwüdiges, rotes Glühen, dazu fast senkrechte weiße Streifen, die
weit in den Himmel hineinragten. Schnell ein paar Fotos gemacht - nicht
gerade leicht auf einem Autobahnparkplatz, wenn ständig Lichtquellen
vorbeiziehen...
Hallo!
Hier meine Polarlicht-Erlebnis-Nacht. Das ganze war etwas anders verlaufen,
als ich geplant hatte, am besten bis zum Ende lesen, es lohnt sich.
Und nun zu den Fotos:
Aufgenommen an der Straße, wo mich die LKWs mit Ihren Fernlicht gestört haben. Visuell war
zu diesem Zeitpunkt nix zu sehen - vielleicht konnten sich meine Augen aber auch nicht
an die Dunkelheit anpassen wegen den LKWs
Aufgenommen auf einem Autobahnparkplatz. Dieses PL war auch visuell sichtbar (ca. 2.00 MESZ)
Diese Bilder sind noch auf dem Film, es wurden vom Fotostudio aber keine Abzüge erstellt. Die
Folgen in den nächsten Tagen
Ein besonders rotes Polarlicht ;-) Dies ist mein Wagen am morgen danach - die Spuren des
Ackers sind deutlich zu sehen (den Innenraum erspare ich euch lieber)
Sven Lüke, 12. April 2001